Oberharzer Mund Art
Die Oberharzer Kunst, den weltweit einmaligen Dialekt zu sprechen

Bergsänger

Bergsänger 2012
alle Fotos genehmigt duch 1. Vorsitzende Ursula Scheffel

Die Musik- und Trachtengruppe der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld sind die  "Bergsänger Clausthal-Zellerfeld".
Jede Bergstadt hat ihre eigene Musikgruppe,

Die "Bergsänger" haben es geschafft, über Funk und Fernsehen sich selbst, ihre Heimat und ihre Musik, über die deutschen Grenzen hinaus, bekannt zu machen.

Es war bei ihrer ersten Gründung landesherrschaftlich durchaus unerwünscht, dass sich "bewaffnete" (mit Tscherpern) Bergleute in "Haufen" (Vereinen) zusammenfanden. Der Herzog wähnte, dass sich sein "Oberharzer Bergvolk" gegen ihn verschwören könne. König Georg III. (4.6.1738 - 29.1.1820)  von Großbritannien, in Personalunion auch König von Hannover und Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Celle, vor dem die Bergsänger auf Befehl des Clausthaler Berghauptmanns Friedrich Wilhelm von Trebra (5.4.1740 - 16.7.1819)  auftraten, legten gleich eine Beschwerde in Form einer Petition gegen bergmännische Vorgesetzte "vom Leder" vor, auf die König Georg III. angefressen reagierte. Das verbriefte Bergrecht "Petitionsrecht", wurde von ihm als nicht so bedeutend empfunden. Die Bergsänger, damals noch Angestellte des Oberbergamtes, durften zukünftig keine Auslandsreisen mehr vornehmen. Das Petitionsrecht wurde landesherrschaftlich überarbeitet und erst Mitte des 16. Jahrhundert unabänderliches Bergrecht,

Die bisherige Annahme, Karl Reinecke-Altenau sei Schöpfer der Oberharzer Tracht, bedarf einer Korrektur. Als Mitglied der "NS-Reichsfachstelle für das Trachtenwesen" entnahm er dem Ölgemälde der "Coburger Trachtenhochzeit" vom 16.9.1599 das Aussehen der Oberharzer Trachten in Ausstattung und Farben.
Ihm ist allerdings zweifelsfrei zuzuordnen, dass die heutige Tracht am Oberarm der Jacke ("mundartl.: Joppel) ein Band mit 7 einzelnen Rüschenstreifen trägt, für jede Bergstadt einen Rüschenstreifen.

Bei der Coburger Trachtenhochzeit heiratete Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg (12.6.1564 - 16.6.1633) die welfische Prinzessin Margarethe von Braunschweig-Lüneburg (6.4.1573 - 7.8.1643). Damit verbanden sich erneut die Welfen mit den Franken.

Hier ein kleiner geschichtlicher Überblick über die Geschichte der Bergsänger:

1569
erste Zusammenkünfte musizierender Bergleute mit ihren bevorzugten Musikinstrumenten waren tonverschiedene Gitarren, Zitter (mundartl.: "Hackbrett"), danach noch das Schifferklavier

1792
Auftritt vor König Georg III. in Windsor Castle. In Frankreich passierte gerade die Französische Revolution (1788 - 1799). Dem braunschweigischen Heerführer des österreichischen Heeres ist es zu verdanken, dass die französische Familie kurz darauf durch die Guillotine hingerichtet wurde. Er drohte allen Revolutionären den Tod an.

1932
der Verein "Oberharzer Bergsänger" gründet sich aus eigenem Antrieb in der Bergstadt Clausthal

1933
Karl Reinecke, Altenau, Musiker, Autor, Zeichenlehrer, konzipiert die Oberharzer Trachten nach dem Vorbild der "Coburger Trachtenhochzeit" - Der Oberharzer Heimtbund soll nach den Vorstellungen der NS-Fachstelle für das Trachtenwesen geführt werden, womit Reinecke nicht einverstanden war. Er wurde entlassen. Trotz aller NS-Vorschriften trugen Oberharzer Vereine weiterhin ihre althergebrachte Tracht, ohne Stiefel und NS-Abzeichen. Konsequenzen folgten nicht. Man wollte die Bergleute und ihre Familien nicht verärgern, da ihre Arbeit als kriegswichtig eingestuft wurde.

Die Bergsänger 1938 mit Karl Reinecke-Altenau

1948
der Verein "Bergsänger Clausthal-Zellerfeld" gründet sich neu. 1. Vorsitzender, Chor- und musikalischer Leiter wurde der spätere Kreisamtmann Alfred Weyland (Spitzname: "Allesmann"), der für sein Engagement vom Land Niedersachsen mit einem Orden gewürdigt wurde. Prägende Mitglieder waren auch der Stadtamtmann (Finanzabteilung), Sänger, Musiker und Heimatdichter Kurt Astheimer sowie der Stadtangestellte (Steueramt) Günter Hake, der dazu auch lange Zeit die Besucher des Polsterbergtreffens durch das Programm führte.

Die Bergsänger, 1950
Die Bergsänger, 1956
rechts: Günter Riesen mit Gitarre

1972
Günter Riesen beerbt Alfred Weyland als Chor- und musikalischer Leiter

aktuell
die Bergsänger treten auf dem Zellerfelder Bauernmarkt regelmäßig auf, auch singen und musizieren sie in der Hasenbach Klinik in Clausthal-Zellerfeld, ansonsten hat auch Corona 19 eine Grenze gesetzt. Auch die Bergsänger kämpfen mit Nachwuchssorgen.

Mr senn de Harzgeberchler
Gesang: Bergsänger, aus ihrer Liedersammlung
Musik: Volksweise

Mr sän de Hrzgeberchler
bei uns giehts lustich zu
mr han Gitarr un Zitter
un jodeln ah drzu

Ä Joppel un ä Knupper
mit guten Knaster drin
su ziehn mr mit Gejodel
dorch unnere Barche hin

Dr Hersch guckt ausn Dickicht
mit gruße Ahng uns nohch
har saht sich "alle Watter"
dos is ä Harzer Schlohk

Dos Ziel is de Dorothee
do wärd dr erschte Halt gemacht
do hot dr Schtacher Schorsche
de Tiehr all offgemacht

Do wärd su mannichs Fassel
bein Schorsche wackgewischt
wies frieher bei die Alten
ahch zugegange is

Mit Wies un Hols verwachsen
sän mir in Fräd un Nuht
drim bleim mr unnere Barche
getrei bis in dann Tuht